Freitag, 17. Juni 2022

Friedwald und Ruheforst

 

Friedwald und Ruheforst

Gehören Sie zu den Menschen, die mit Angst vor dem Sterben leben? Nicht daran denken wollen oder auf keine Beerdigung gehen! Die lieber nichts davon hören wollen, weil es ja gar so schrecklich sei?

Dann besuchen Sie doch einfach einmal einen Friedwald! Oder einen Ruheforst. Dort werden die menschlichen Überreste als Asche in zersetz­baren Urnen rund um einen Baum beigesetzt.

 

Symbolisch wird hier zur Andacht die Urne in der Mitte des Baumes abgestellt.

In einem Fenster, quasi vom Diesseits ins Jenseits.

Sie verlassen einen Raum und betreten einen anderen.

Lediglich in einem anderen Gewand.

 

Einen friedlicheren Ort habe ich niemals gefunden als einen Ruheforst.

Ich gebe Ihnen die Hand. Greifen Sie einfach zu.

Ein Ort, an dem Sie schweigen können. Einfach so sein und nach einiger Zeit merken Sie, dass sich das Denken verändert. Dass Sie ruhi­ger werden. Dass Sie das annehmen können. Diesen Ort.

Es gibt keine Toten, die wie Gespenster hinter Ihnen herlaufen und Ihnen das Gruseln beibringen. Sehr wohl aber abgeschiedene Menschengeister, die noch nicht begriffen haben, dass sie ihren Körper verlassen haben und die deshalb versuchen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Ein sensibler Mensch kann das natürlich fühlen und erschrickt vielleicht auch einmal. Ich selber habe so etwas in unserem alten Haus, welches wir gekauft hatten, erlebt. ... die Frau, der das Haus früher gehörte, hatte nicht begriffen, dass sie gestorben war und wollte quasi jeden aus der Oberwohnung, wo sie zuletzt wohnte, vertreiben. In den ersten Wochen fiel es mir darum schwer, nach oben zu gehen. Sie tat alles, um mich daran zu hindern... bis mir klar wurde, dass es so ist. Ich setzte mich auf die Treppe und sprach mit ihr, so wie ich hier mit Ihnen spreche. Ich erklärte ihr, dass sie verstorben sei, ihren Körper verlassen hat und das mit dem Tode eben nicht alles aus sei und dass sie versuchen solle, mit diesem Wissen nun weiterzuziehen, dem Licht entgegen... seit dem Tage war Ruhe. Sie war gegangen!

Es geht lediglich um die letzte Ehre und weil der Mensch einen Ort zum Trauern braucht und einen Ort, an wel­chem er mit seinem verstorbenen Menschen sprechen kann. Kommuni­zieren. In welcher Form auch immer.